Festanlass zu 20 Jahre Umweltgruppe Wartau

Belebte Wasserläufe — eine Wohltat für Tier und Mensch Exkursion der Umweltgruppe Wartau am renaturierten Binnenkanal bei Buchs

Bei herrlichstem Sommerwetter besammelte sich vergangenen Sonntag am renaturierten Binnenkanal eine stattliche Anzahl Besucher zum Jubiliäumsanlass „20 Jahre Umweltgruppe Wartau“. Begrüsst wurden sie nicht nur durch den Präsidenten Otto Ackermann, sondern nach wenigen Metern Spaziergang durch eine Ringelnatter, die noch verschlafen am Sonntagmorgen auf einem warmen Baumstruck döste, dann aber vor den herannahenden Besuchern gemächlich im Dickicht verschwand!

Daniel Gut — vor 20 Jahren Gründungsmitglied der Umweltgruppe Wartau und jetzt „Hausherr in Buchs“ hiess die Wartauer willkommen. Die organisatorischen Voraussetzungen und Träger des Projekts erläuterte Beat Tinner (Gemeindepräsident Wartau) als Präsident des Werdenberger Binnenkanal-Unternehmens (WBK), der vom Glücksfall einer erfolgreichen Kooperation der Gemeinden berichten konnte.

Mit der Renaturierung eines ersten Abschnitts von gut drei Kilometern von der Ara Buchs bis zum Ochensand wurde aus dem historischen Entwässerungskanal, errichtet von Jost Wey vor 130 Jahren, ein kleines Paradies mit Auenwald und Schilfbereichen auf rund 650 000 m2 und einem  Gerinne mit Flachwasserzonen bis zu 60 m breit. Fast unglaublich ist die kurze Bauzeit Herbst/Winter 2016/7 für die Umgestaltung des Waldes mit den grossen Erdbewegungen (100 000 m3 ~ Fussballfeld 14 m tief), den Steinsetzungen  —  400 Tonnen wurden verbaut  — und kunstvoll verteilten Baumstrünken. .  Zwei Jahre nach der Eröffnung lassen die über 12 000 gepflanzten Sträucher und Bäume die Eingriffe der Bauzeit verschwinden. So ist ein Vorzeigeprojekt mit grosser Ausstrahlungskraft entstanden.

Ihre persönliche Verbundenheit mit der Bauphase und der raschen Entwicklung von Pflanzen- und Tierwelt zeigten in ihren interessanten Informationen die Ornithologen Edith und Ludwig Altenburger, z.B. in ihrer Beteiligung am Abfischen des bestehenden Gewässers im Januar 2017 bei eisigen minus 12 Grad, als gegen 500 Fische umgesiedelt wurden.

In diesem Bericht kann nicht auf ihre vielen Hinweise eingegangen werden, welche den aufmerksamen Wanderern den Blick schärften; als Einzelheit sei die Wasseramsel erwähnt, der einzige Vogel, der unter Wasser jagt — sofern genügend Sauerstoff aus den Verwirbelungen seine Nahrungsgrundlage, die Kleinstlebewesen, ermöglicht — sonst (und im Winter) weicht sie gerne zu den Bergbächen aus; unübersehbar war auch die Tätigkeit der eingewanderten Biber.

 
Durchgang Biber von Maisfeld zu Kanal und hängen gebliebene Essensreste

Zusammen mit der Ortsgemeindetratt Ochsensand und dem wundervollen Baumbestandwald im Norden und  mit dem Cereswald ist ein beeindruckende Fläche dem Wirken der Natur zurückgegeben.​ Nicht nur Pflanzen und Tiere: das Spiel der begleitenden Kindern, die Jogger, aber auch meditierende oder zeichnende Personen zeigten, wie dankbar die Menschen für diesen lebendigen und wohltuend ruhigen Flusslauf sind.

Am Ende des Kanals: 
Pferde und Velofahrer
sind im renaturierten
Teil nicht erlaubt.

 

 

Vor dreissig Jahren hat Hans Jakob Reich im Werdenberger Jahrbuch 1990 seine Schilderung der ehemals politisch hart umkämpften Realisierung des Binnenkanals geschlossen mit dem Wunsch, „dass in fernerer (!) Zukunft selbst heutige Utopien zu Realitätswert gelangen: der Einbezug des Werdenberger Binnenkanals oder sogar des Rheins in Massnahmen ökologisch motivierter Umgestaltung.“

Dank der entschlossenen und weitsichtigen Planung ist und wird dies nun Realität, weil nach der Renaturierung der Gewässer im Höwisa-Wald weitere Abschnitte in Sevelen und Sennwald unterwegs sind — was die Teilnehmer an der Jubiläumswanderung mit Freude/Genugtuung/Dankbar zu Kenntnis nahmen. Es soll für sie Ansporn sein, sich auch persönlich für die Tätigkeit des Vereins zur Erhaltung der Naturräume  — Neophytenbekämpfung! —einzusetzen, aber auch mitzuwirken an den Anstrengungen der ganzen Gesellschaft für eine lebbare Zukunft, Stichwort Biodiversität/Klimawandel.

Aktueller Dank zur Jubiläumsveranstaltung gebührt auch dem Team der Clubhütte der Ornithologen für die aufmerksame Bedienung an ihrem wunderschönen Ort am Binnenkanal, der jeweils Samstag und Sonntag für die Allgemeinheit offen ist.